Klimazeugentour 2008

Vertreter armer Länder fordern den Ausbaustopp für Kohlekraftwerke

Schon jetzt sind viele Länder des Südens vom Klimawandel betroffen: steigende Meerespiegel, verrsalztes Trinkwasser, Dürrekatatrophen, Ernteausfälle, Überschwemmungen etc. Die Menschen in Entwicklungsländern sind den klimatischen Folgen häufig schutzlos ausgeliefert. Dabei verursachen nicht sie, sondern vor allem die Industrieländer den Klimawandel durch die Verbrennung fossiler Energien. Entwicklungsorganisationen haben deshalb betroffene Partner nach Deutschland eingeladen.

Die „Klimazeugen“ aus Kirgisistan, Tansania, Bolivien, Indien und den Pazifischen Inseln waren vom 9. bis 16. September auf Tour, zunächst bei Veranstaltungen in Berlin mit Aktionen an der Spree sowie politischen Gesprächen. Dort übergaben sie Adolf Kloke-Lesch vom BMZ eine Petition an die Deutsche Bundesregierung.

Klimazeugen SpreeKlimazeugen Spree 2

Danach traten sie als Redner bei den Demonstrationen gegen den Neubau beziehungsweise Ausbau von Kohlekraftwerken in Jänschwalde bei Cottbus in Brandenburg und am Standort Staudinger Hanau in Hessen auf. Dort berichteten sie aus erster Hand von den Folgen des Klimawandels für ihre Länder. Sie befürchten eine drohende „Klima-Apartheid“ und fordern von den Industrieländern, schnell den Kohlendioxid-Ausstoß zu reduzieren. Die Verhinderung neuer Kohlekraftwerke spielt dabei eine Schlüsselrolle.
Die „Klimazeugen“ besuchten nach den Demos auch öffentliche Veranstaltungen und Schulen.

Veranstalter der Klimazeugen-Toru waren die evangelischen Hilfswerke „Brot für die Welt“ und „Evangelischer Entwicklungsdienst“, die katholische Hilfsorganisation „Misereor“ sowie der „Verband Entwicklungspolitik Niedersachsen“ und WECF (Women in Europe for a Common Future).

Folgende “Klimazeugen” waren in Deutschland:

  • Fei Tevi aus Fidschi, Generalsekretär der pazifischen Kirchenkonferenzen. Sein Thema war der Anstieg des Meeresspiegels und die Verantwortung des Westens für den drohenden Untergang vieler Inseln.
  • Aisake Caisimir, ebenfalls von der pazifischen Kirchenkonferenz, sprach über die Versalzung von Grundwasser und Böden durch eindringendes Meerwasser
  • Nafisa d’Souza aus Indien, Direktorin des Netzwerks für Ethik und Klimawandel. Sie beschrieb die Folgen des unstetiger werdenden Monsunregens für die Bauern.
  • Nurzat Abdyrasulova aus Kirgistan, Direktorin der Umweltorganisation „Unison“. Ihr Fachgebiet sind die zunehmenden Dürren und der drohende Wassermangel durch die Gletscherschmelze in Zentralasien.
  • Andrea Guzmán aus Bolivien, Organisation Cenprotac, berichtete wie steigende Temperaturen die Existenz von Kleinbäuerinnen in den Anden bedrohen.
  • Grace Mketto aus Tansania, „Inades Formation“, beschrieb inwiefern Frauen vom Klimawandel besonders betroffen sind.

Zu den einzelnen “Klimazeugen” und ihren Herkunftsländer finden Sie unter Publikationen einzelne Factsheets .

Floßaktion auf der Spree: Warnung vor Klimawandel

Klimazeugen aus armen Ländern fordern von Bundesregierung Baustopp für Kohlekraftwerke

Mit einer spektakulären Aktion auf der Spree in Berlin will die Klima-Allianz ihrer Forderung nach einem Baustopp für Kohlekraftwerke Nachdruck verleihen. Vertreterinnen und Vertreter aus Ländern, die vom Klimawandel schon jetzt besonders betroffen sind, werden Donnerstag ab 10 Uhr auf einem kleinen Floß auf der Spree im Regierungsviertel kreuzen. Die „Klimazeugen“ wollen mit dieser symbolischen Aktion unter dem Motto „Klima schützen – Kohle stoppen“ deutlich machen, dass konsequenter
Klimaschutz zur globalen Überlebensfrage geworden ist.

„Die Inselstaaten im Pazifik sind vom Untergang bedroht“, sagte Fei Tevi von den Fidschi-Inseln. „Wir
brauchen deshalb die Unterstützung der Industriestaaten, die mit der Senkung des Ausstoßes von
Treibhausgasen einen drastischen Klimawandel verhindern können“, fügte der Generalsekretär der
Pazifischen Kirchenkonferenz hinzu. Er ist einer der von Entwicklungs- und Umweltorganisationen
eingeladenen Klimazeugen. „Wenn die globale Erwärmung weiter geht, droht eine massive
Verschärfung von Hunger und Armut auf der Welt“, sagte die Vertreterin aus Indien, Nafisa d’Souza.

Im Rahmen einer Pressekonferenz werden die Klimazeugen dem Abteilungsleiter im Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit, Herrn Kloke-Lesch, in Vertretung der Bundesregierung eine Petition überreichen, in der sie ein Moratorium für den Bau von Kohlekraftwerken fordern. Nur so könne die Bundesregierung klimapolitisch Kurs halten und das Ziel, die Treibhausgas-Emissionen bis 2020 um 30 Prozent zu senken, erreichen. Deutschland solle in Europa Vorreiter beim Klimaschutz bleiben.

Am Samstag werden die Klimazeugen auf den beiden bundesweiten Demonstrationen in
Jänschwalde und Hanau gegen den Neubau von Kohlekraftwerken sprechen. Zu diesen
Demonstrationen ruft die Klima-Allianz auf, in der 100 Organisationen engagiert sind. Die
Klimazeugen wurden von Mitgliedern des Bündnisses eingeladen, darunter den kirchlichen
Entwicklungsorganisationen „Brot für die Welt“, Evangelischer Entwicklungsdienst und „Misereror“
sowie dem „Verband Entwicklungspolitik Niedersachsen“ und „Women in Europe for a Common
Future“.

Wir laden Sie anlässlich der Aktion ein zu unserer Pressekonferenz am Donnerstag, 11.
September 2008 um 11.30 Uhr in die NABU-Bundesgeschäftsstelle, Charitéstr.3 , 10 117
Berlin. Das bunt geschmückte Floß ist ab 10 Uhr im Spreebogen zu sehen und wird um 10.45
an der Sportbootanlegestelle Schiffbauerdamm (nördliches Spreeufer, westlich Bahnhof
Friedrichstraße) anlegen. Die Klimazeugen stehen für Interviews zur Verfügung.