Konflikt um Dörpener Kraftwerk eskaliert
In der Auseinandersetzung um einen umstrittenen Kohlekraftwerksneubau im emsländischen Dörpen
haben die Äußerungen eines katholischen Papenburger Pfarrers für Aufsehen gesorgt. Pfarrer
Gerrit Weusthof hatte seinen Standpunkt als Kohlekraftwerksgegner mit dem Hinweis verdeutlicht,
Kohlekraftwerke seien „ein Angriff auf die Menschen der Dritten Welt“. Infolge der öffentlichen
Äußerungen des Pfarrers trat der Dörpener Bürgermeister Hermann Wacker zurück. Nun wirft der
Papenburger Ehrenbürgermeister und Vorsitzende der CDU-Kreistagsfraktion Heinrich Hövelmann
Weusthof „Heuchelei“ und eine „menschenverachtende Kampagne“ gegen den Bürgermeister vor.
Dr. Bernd Bornhorst, Abteilungsleiter Entwicklungspolitik des katholischen Hilfswerks Misereor
und Mitglied im Sprecherrat der Klima-Allianz erklärt dazu: „Wenn Pfarrer Weusthof sagt, dass die
Menschen in der Dritten Welt unter den Folgen des Klimawandels leiden kann ich das aus MISEREOR
Sicht nur bestätigen. Ich muss auch feststellen, dass die Verursacher des Klimawandels insbesondere
in Industrieländern sitzen.“ Die Entscheidung über einen Kohlekraftwerksneubau sei nicht
nur eine lokale Frage, sondern berühre auch Fragen von globaler Gerechtigkeit und Verantwortung.
Darüber müsse offen und ehrlich gesprochen werden, so Dr. Bornhorst.
Jan Kowalzig, Referent für Klimapolitik und Klimawandel bei Oxfam Deutschland, erläutert den
Zusammenhang zwischen Kohlekraftwerken in Deutschland und der Zerstörung der Lebensgrundlagen
der in Armut lebenden Menschen in Afrika: „Jedes neue Kohlekraftwerk wird über Jahrzehnte
klimaschädliches Kohlendioxid ausstoßen und damit weiter die Atmosphäre aufheizen, in Dörpen
wären es jährlich zusätzlich mehr als 5 Millionen Tonnen Kohlendioxid.“ Dabei seien die Folgen
des Klimawandels in Entwicklungsländern bereits jetzt verheerend, in Afrika verdorren die Ernten,
werden ganze Dörfer von Überschwemmungen weggespült oder breiten sich Krankheiten
aus. Wissenschaftler warnten davor, dass in Afrika die Ernten um bis zu 50% fallen und ganze Regionen
des südlichen Afrikas unbewohnbar werden könnten. „Weltweit könnte der steigende Meeresspiegel
über 300 Millionen Menschen dauerhaft aus ihrer Heimat vertreiben – jedes neue Kohlekraftwerk
trägt dazu bei.” so Kowalzig.
Dr. Bernd Bornhorst ergänzt: “Wie dramatisch die Situation in Afrika jetzt schon ist, haben
uns gerade Partner aus Burkina Faso vor Augen geführt, die im Rahmen der Fastenaktion unsere
Gäste sind. Sie haben uns aufgefordert, endlich die nötigen Weichenstellungen für eine klimaverträgliche Energieversorgung vorzunehmen und auf neue Kohlekraftwerke zu verzichten.” Dass
klimafreundlichere Energieoptionen möglich und wirtschaftlich seien, habe zudem nun ausgerechnet
Vattenfall anerkannt. Der Energiekonzern setzt in Berlin statt auf Kohle nun auf Gas und Biomasse.










