Umweltverbände und die lokale Bürgerinitiative sprechen sich auf der Podiumsdiskussion im
Marl gegen ein neues Kohlekraftwerk im Chemiepark aus.
Bei der heute stattfindenden Podiumsdiskussion werden die Vertreter der Deutschen Umwelthilfe,
der Bürgerinitiative für Lebensqualität und Umweltschutz (BLU) und des Bund für Umwelt und Naturschutz
Deutschland (BUND) mit dem Geschäftsführer von Evonik Fernwärme und der Bürgermeisterin
der Stadt Marl diskutieren. Den wirtschaftlichen Interessen von Evonik stehen dabei die
umwelt- und klimapolitischen, sowie die gesundheitlichen Bedenken der Kraftwerksgegner gegenüber.
Rainer Baake, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH) – einer Mitgliedsorganisation
der Klima-Allianz – warnt vor dem Bau des Kohlekraftwerkes, mahnt aber gleichzeitig an, dass
jedes neue Kraftwerk nicht nur eine ökologische, sondern explizit auch ökonomische Gefahren
darstellt : “Man muss die Augen schon bewusst verschließen, um nicht zu sehen, vor welcher Herausforderung wir stehen: Wenn wir den kommenden Generationen auf unserem Planeten keine
unbezahlbaren Lasten durch unterlassenen Klimaschutz aufbürden wollen, dann müssen die heutigen
Industriestaaten ihre Treibhausgasemissionen bis 2050, also in nur vier Jahrzehnten, praktisch
auf Null zurückfahren. Der Weg dorthin wird die Volkswirtschaften vor größte Herausforderungen
stellen. Werden in Deutschland jetzt noch weitere Kohlekraftwerke zugebaut, stehen wir
auf mittlere Sicht vor der unausweichlichen Alternative, die Klimaziele aufzugeben oder diese
Kraftwerke vorzeitig außer Betrieb zu nehmen.”
Dirk Jansen, Geschäftsleiter des BUND NRW und Mitglied im Arbeitsausschuss der Klima-Allianz
NRW: „Nordrhein-Westfalen ist bundesweit Schlusslicht beim Klimaschutz. 44 % aller vom Emissionshandel
erfassten Treibhausgase stammen von hier. Trotzdem unterstützt die Landesregierung
den Neubau von 11 Kohlekraftwerken. Werden sie realisiert, so führt dies zu zusätzlichen CO2-
Emissionen von jährlich etwa 40 Millionen Tonnen – und das mindestens 40 Jahre lang. So werden
alle Klimaschutzziele unerreichbar.“ Aber auch aus anderen Gründen seien Kraftwerke wie das in
Marl geplante unverantwortlich. “Durch ein Kraftwerk in Marl würde massiv in die durch europäisches
Naturschutzrecht geschützte Lippeaue eingegriffen. Auch die Lippe selbst kann wegen der
enormen Vorbelastung durch andere Kraftwerke keine zusätzlichen Abwärme- und Abwasserfrachten
mehr verkraften. Kohlekraftwerke sind zudem Dreckschleudern: Durch den Ausstoß eines
Cocktails aus Feinstaub, Schwermetallen und radioaktiven Substanzen wird jegliche Luftreinhalteplanung
sabotiert“, sagte der BUND-Energieexperte.
Marcus Florin von der BLU sieht vor allem die Auswirkungen auf die Region mit Sorge: „Wir haben
bereits jetzt 8 Kohlekraftwerke sowie drei genehmigte Neubauten im Umkreis von 30 Kilometern.
Die CO2-Belastung für unsere Region ist enorm, die Feinstaubbelastung liegt schon jetzt an vielen
Orten in der Umgebung über dem EU-Grenzwert. Dieses Kraftwerk ist eine Umwelt- und Gesundheitsgefahr
und nimmt uns zugleich die Möglichkeiten, uns touristisch und landwirtschaftlich zu
entwickeln“. Zudem bräuchte die Region kein weiteres Kraftwerk: Der Chemiepark, dessen bestehende
Kraftwerke mit dem Neubau auch nicht stillgelegt werden sollen, wird bereits mit ausreichend
Energie versorgt.
Kontakt:
Daniela Setton, Die Klima-Allianz: 0179. 710 20 94 (vor Ort); Rainer Baake, DUH: 030. 24008670;
Dirk Jansen, BUND NRW: 0211. 30200










