Massiver Protest gegen geplantes Kohlekraftwerk in Marl angekündigt
Mit einer groß angelegten Kampagne will die „Bürgerinitiative für Lebensqualität und Umweltschutz“
(BLU) in Marl den Bau des von Infracor (Evonik) geplanten Kohlekraftwerks verhindern. Dabei
bekommt sie breite Unterstützung vom Bund Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND),
der nordrheinwestfälischen sowie der bundesweit tätigen Klima-Allianz, einem Bündnis aus über
100 Organisationen aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen. Auf einer Pressekonferenz
kündigten die Teilnehmer an, gegen die Kraftwerkspläne gemeinsam mit Informationen, Argumenten,
Veranstaltungen und Aktionen massiv zu protestieren. Eine Kampagnen-
Internetseite www.stoppt-das-kraftwerk.de informiert ab heute umfangreich über die Planungen
vor Ort, die negativen Folgen des Kohlekraftwerks sowie über die Möglichkeiten, sich am Protest
zu beteiligen.
Heinrich Stegemann, Vorsitzender der BLU betonte, dass der Chemiepark in Marl kein weiteres
Kohlekraftwerk brauche, da die bestehenden Kapazitäten ausreichten. Das Kraftwerk solle vor allem
dem Weiterverkauf an den überregionalen Strommarkt dienen und damit den Gewinnen von
Evonik. „Die enormen Kosten dieses Projekts hätten aber die Menschen und die Natur in der Region
zu tragen: jeden Tag 8640 Tonnen Importkohle sowie 12.600 Tonnen CO2 zusätzlich, darüber
hinaus noch enorme Mengen Feinstäube und weitere Schad- und Giftstoffe. Dabei ist das Kohlekraftwerk
wirtschaftlich nicht mal die beste Lösung, da es nur wenige Arbeitsplätze schafft und
sogar negative Auswirkungen auf andere Bereiche haben könnte, wie z.B. den Tourismus. Wir fordern
von den verantwortlichen Kommunalpolitikern, dass sie das Projekt stoppen.“ so Stegemann.
Claudia Baitinger vom BUND sieht die Region von dem Kraftwerk massiv bedroht. „Im Umkreis
von 20-30 Kilometern von Marl gibt es bereits 8 bestehende Steinkohlekraftwerke und 3 inzwischen
genehmigte riesige neue Blöcke, von denen 2 sich trotz Klagen des BUND im Bau befinden -
das ist einfach unzumutbar. Die Menschen haben ein Recht darauf, nicht noch stärker belastet zu
werden, damit Energiekonzerne Gewinne machen können. Ein Riesenproblem besteht in den Auswirkungen
auf Natur und Umwelt. Die Nebel- und Rauchgasschwaden des geplanten 180m hohen
Abgaskühlturms werden massive Auswirkungen auf das von der EU anerkannte Naturschutzgebiet
Lippeaue haben, an das unmittelbar angrenzend das Projekt gebaut werden soll. Bereits
jetzt heizen viele Kohlekraftwerke durch die Einleitung von Kühlwasser die Lippe auf und reichern
das Flusswasser mit weiteren Schadstoffen an, dieses Problem würde sich noch mal verschärfen.
Dagegen werden wir uns wehren!“
Kerstin Peters von der Klima-Allianz NRW verdeutlichte, dass neue Kohlekraftwerke mit Klimaschutz
nicht vereinbar sind. „Jedes neue Kohlekraftwerk heizt den Klimawandel in unverantwortlicher
Weise an und verzögert den erforderlichen Umbau des Energiesystems hin zu Erneuerbaren
Energien. In Deutschland sind derzeit 29 neue Kohlekraftwerke geplant, mehr als ein Drittel davon
in NRW. Neun Kohlekraftwerke sind bereits in Bau. Mehrere Gutachten des Bundesumweltministeriums,
darunter z.B. die „Leitstudie 2008“ haben klargestellt, dass aus Klimaschutzgründen
keine weiteren Kohlekraftwerke gebaut werden dürfen. Mit der Entscheidung für ein 900 MWSteinkohlekraftwerk
wäre der Rat der Stadt Marl mitverantwortlich dafür, dass hohe CO2-
Emissionen in Deutschland über Jahrzehnte hinweg zementiert werden.“
Kontakt für Rückfragen: Heinrich Stegemann: 02360-1715; Kerstin Peters: 0178-82188235; Claudia
Baitinger: 02369-24296










