Die Klima-Allianz fordert von Merkel, in L’Aquila die treibende Kraft für ein internationales Klimaabkommen
zu sein. Der britische Premierminister Gordon Brown hatte bereits vorletzte Woche
vorgeschlagen, bis 2020 den Entwicklungsländern mindestens 100 Milliarden US-Dollar jährlich für
Klimaschutz und die Bewältigung der Folgen des Klimawandels bereitzustellen – zusätzlich zur
Entwicklungshilfe. Diesen Vorschlag muss Merkel nun aktiv stützen, statt nur an die Schwellenländer
zu appellieren, aktiv zu werden, so Vertreter des breiten Bündnisses aus Entwicklungsorganisationen,
Kirchen, Gewerkschaften und Umweltverbänden heute in Berlin. Darüber hinaus dürften
Klimakrise und Finanz- und Wirtschaftskrise nicht gegeneinander ausgespielt werden, beide Krisen
seien nur gemeinsam zu meistern.
Jörn Kalinski, Kampagnen-Leiter bei Oxfam Deutschland, fordert von Bundeskanzlerin Merkel ein
engagierteres Handeln: „Klimaschutz in Trippelschritten – die fahrlässige Unzulänglichkeit der
bisherigen Klimaschutzziele der Mehrheit der G8-Länder ist ein zynisches Roulette-Spiel mit den
Leben und Lebensgrundlagen von Millionen Menschen in den Entwicklungsländern. Bundeskanzlerin
Angela Merkel muss den G8-Gipfel dafür nutzen, das Klima-Ruder herumzureißen, sonst wird
auch der UN-Gipfel im Dezember in Kopenhagen ein Fehlschlag.“ Dazu müsse sich Merkel vor allem
für ausreichende Klimaschutzziele der Industrienationen einsetzen – Reduktionen von mindestens
40% bis 2020 gegenüber 1990. Von einem ambitionierten und global gerechten Klimaschutzabkommen
in Kopenhagen würden letztlich alle profitieren, auch die deutsche Exportwirtschaft, so
Kalinski.
Jürgen Maier, Geschäftsführer des Forums für Umwelt und Entwicklung und Mitglied des Sprecherrats
der bundesweit tätigen Klima-Allianz, appelliert ebenfalls an Merkel:„Als Klima-Kanzlerin
angetreten, ist Merkel mehr und mehr von ihren ambitionierten Klimazielen abgerückt und hat
sich in der Krise von einer konsequenten Klimapolitik verabschiedet. Diese Entwicklung muss nun
ein Ende haben. Wenige Monate vor der UN-Konferenz in Kopenhagen wird es allerhöchste Zeit,
dass die G8 konkrete Zahlen statt weiterer Absichtserklärungen verabschieden. Eine Führungsrolle
Merkels und Deutschlands ist dazu unerlässlich.“ Darüber hinaus müsse die Kanzlerin mit gutem
Beispiel voran gehen und in Deutschland beweisen, dass eine Minderung der Treibhausgase um
40% tatsächlich machbar ist, so Maier. Durch ihr Eintreten für neue Kohlekraftwerke sei das Erreichen
dieses Ziels jedoch in Frage gestellt.










