BDEW: Ängste schüren, Fakten verdrehen, Profite machen

Klima-Allianz-Mitglieder fordern Strategiewechsel der großen Energieversorger/BDEW Hauptgeschäftsführerin Müller müsse Aussage zu überbewertetem Klimaschutz zurücknehmen

Am heutigen Mittwoch hat das bundesweite Bündnis Die Klima-Allianz mit einer acht Meter großen
„Kraftwerkskrake“ vor dem BDEW-Kongress in Berlin gegen die Politik des Bundesverband Deutscher
Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) demonstriert. Die Hauptgeschäftsführerin des BDEW, der sich mehr und mehr als Dachverband der Atom- und Kohlelobby präsentiert, hatte erst zu Beginn dieser Woche erneut behauptet, dass Deutschland ohne eine Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke spätestens ab 2020 eine „unausweichliche Stromlücke“ drohe. Außerdem werde der Klimaschutz überbewertet.

Für Jürgen Maier, Geschäftsführer des Forums Umwelt und Entwicklung, einer Mitgliedsorganisation
der Klima-Allianz, sind Müllers Äußerungen nichts als Panikmache einer Branche, die aus Profitgründen
das Überleben von Mensch und Umwelt bedenkenlos ignoriert: „Es ist erstaunlich, wie unverhohlen Frau Müller Zahlen falsch darlegt und Ängste schürt, frei nach dem Motto, ’strahlt die Atomkraft nicht mehr, geht in Deutschland das Licht aus’. Mit der gleichen Logik versuchen die Energiekonzerne auch, den Bau neuer Kohlekraftwerke zu rechtfertigen. Die einzige Lücke aber, die es nach dem Abschalten der Atomkraftwerke und einem Moratorium für neue Kohlekraftwerke geben wird, ist die Profitlücke in den Geldbeuteln der Energieunternehmen, die dem Staat und damit dem Steuerzahler in den vergangenen Jahrzehnten Milliarden Euro aus den Taschen geleiert haben.“ Die deutsche Energiewirtschaft habe es verpasst, frühzeitig in Erneuerbare Energien zu investieren und sie als ökologische und ökonomische Alternative zu begreifen. Aus diesem Grund versuche die Kohle- und Atomlobby mit allen Mitteln, die alten Strukturen zu zementieren und den Anteil der Erneuerbaren Energien möglichst gering zu halten.

Hubert Weiger, Vorsitzender des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, BUND, einem
Mitglied der Klima-Allianz, forderte die konventionelle Energiewirtschaft auf, den Atomausstieg
nicht in Frage zu stellen: „Die großen Energiekonzerne und ihre Verbandsvertreter versuchen, die
Bevölkerung für dumm zu verkaufen und die gefährliche Atomkraft als umweltfreundlich darzustellen.
In Wahrheit blockieren Atomkraftwerke die Wende ins solare Zeitalter. Atom- und Kohlekraftwerke
sind unflexibel und wirtschaftlich auf Volllast-Betrieb ausgelegt. Damit passen sie nicht zu der Energieversorgung der Zukunft, die auf Erneuerbaren Energien basiert. Sie können nur wirtschaftlich
betrieben werden, wenn der Ausbau der Erneuerbaren gebremst wird. Das wäre unverantwortlich.“
Weiger weiter: „Eine sichere Energieversorgung zu fairen Preisen für Verbraucher, das kann nur mit dem starken Ausbau der Erneuerbaren Energien gelingen. Alles andere ist Verzögerungstaktik oder Augenwischerei.“

Maier und Weiger verurteilen außerdem Müller Äußerungen zum Klimaschutz scharf. In einer Zeit,
in der durch die Klimakrise Tier- und Pflanzenarten verschwänden, Menschen in Entwicklungsländern
wegen Dürren oder Überschwemmungen sterben würden und flüchten müssten und in der es
zu weltweiten Nahrungsmittelkrisen käme, sei es schier unglaublich, Klimaschutz als überbewertet
zu bezeichnen. “Überbewertet wird allenfalls die Bedeutung der großen Stromkonzerne von heute
für die künftige Energieversorgung Deutschlands. Wenn die weiterhin so wenig innovativ und flexibel
agieren wie bisher, wird es ihnen so ergehen wie General Motors in der Automobilbranche,“ so Maier.

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